Das „Eiserne Tor“ des antiken Antiochia am Orontes

Bauforschung in Antakya/Türkei

Die Ergebnisse unserer Masterarbeit haben wir zu einem Poster zusammengefasst.

Das antike Antiochia war eine antike Metropole, die zu ihrer Blüte in einem Atemzug mit Rom und Konstantinopel genannt wurde. Lange gründete sich der Forschungsstand auf amerikanischen Grabungen in den 1930ern, bei denen vor Allem die Fundausbeute im Mittelpunkt stand und weniger archäologische Gründlichkeit. Da diese Erkenntnisse jedoch als wissenschaftlich belegt angenommen wurden, sind in der Folgezeit die historischen Geschichtsschreiber insbesondere in Bezug auf Antiochia in Verruf geraten. Nun ist allgemein bekannt, dass antike Schriftquellen mitunter nicht nur Fakten enthalten. Die neueren Untersuchungen zeigen jedoch, dass diese möglicherweise sehr viel korrekter sein könnten, als von Archäologen bisher angenommen.

Archäologische Kampagne 2006

Eine sechswöchige bauforscherische Untersuchung am „Eisernen Tor“ in Antakya/Türkei waren Thema unserer Masterarbeit im postgradualen Masterstudiengang Denkmalpflege an der TU-Berlin. Damit wurden wir Teil eines mehrjährigen archäologischen Forschungsprojekts unter Leitung von Prof. Dr. phil. habil. Gunnar Brands (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Prof. Dr. Ulrich Weferling (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig). 

Das „Eiserne Tor“ wurde dabei als antikes Multifunktionsbauwerk identifiziert, welches in dieser Form seines gleichen sucht. Das Bauwerk entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg und war letztlich Aquäduktbrücke (erbaut im 2. Jh), Stadtmauer mit Tordurchlass und Staumauer (3./4. Jh) in Einem.  Nach einer massiven Zerstörung wurde das Bauwerk mit Baumaterial wiederaufgebaut, welches sehr viele Schmucksteine (Spoilen) enthält, von denen einige unzweifelhaft arabischen Ursprungs sind. Es liegt daher nahe, dass es sich hierbei um einen von den Kreuzfahren geschliffenen, arabischen Friedhof handelt. Somit fiele die letzte Bauphase am „Eisernen Tor“ in das 13. Jh. Aufgrund dieser 1200-jährigen Baugeschichte ist das Eiserne Tor das Schlüsselbauwerk für die archäologischen Untersuchungen, die den Forschungsstand zu Antiochia ganz wesentlich verändern.

Unsere Arbeit enthält Aufmaßzeichnnungen, die zusammen mit einem Vermesserteam der HTWK Leipzig angefertigt wurden, eine Baubeschreibung, eine relative Bauphasenscheidung, den Versuch einer absoluten Einordnung, welche letztlich jedoch nur fachübergreifend gelingen kann, fundierte Rekonstruktionen der einzelnen Bauzustände, sowie eine Schadenskartierung. 

Archäologische Kampagne 2007

2007 nahmen wir erneut an an einer sechswöchigen Kampagne teil. Im Mittelpunkt unserer Arbeit stand diesmal die Überprüfung unserer Erkenntnisse, eine Spolienkartierung am „Eisernen Tor“ sowie bauhistorische Untersuchungen an anderen Bauwerken in der Stadt und an den baulichen Resten der Zitadelle.